Cardenal: Gedichte

Mit Liebe füllen diesen blauen Planeten

Gedichte

Textauszüge (S.20f, 26,31,35)

Epigramme

Dir, Claudia, gebe ich diese Verse, weil du ihre Herrin bist.
Ich habe einfache Verse geschrieben, damit du sie verstehst.
Nur für dich sind sie, doch wenn sie dich nicht interessieren
werden sie eines Tages vielleicht in ganz Spanischamerika verbreitet ..
Und wenn du auch die Liebe verachtest, die mir diese Zeilen diktierte,
so werden andere von dieser Liebe träumen, für die
sie nicht bestimmt war.
Und vielleicht siehst du dann, Claudia, wie diese Verse
(geschrieben, um dich zu erobern) Küsse wecken
in anderen verliebten Paaren, die sie lesen,
die Küsse, die der Dichter in dir nicht weckte.

Nichts wird bleiben für die, die uns folgen,
von diesen Kinos, Claudia, von diesen Festen
von diesen Pferderennen,
nur die Gedichte des Ernesto Cardenal für Claudia

(wenn überhaupt) und Claudias Name, den ich in diese Verse bannte, und die meiner Rivalen, wenn ich mich entschließe, sie aus dem Vergessen zu entreißen und auch sie in meine Verse einzuschließen, um sie zum Gespött zu machen.

Man hörte Schüsse in der Nacht.
Man hörte sie vom Friedhof her.
Niemand weiß, wer umgebracht wurde.
Niemand weiß etwas.
Man hörte Schüsse in der Nacht.
Das ist alles.

Wenn du in New York bist
gibt es sonst niemanden in New York
und wenn du nicht in New York bist
gibt es niemanden in New York.

Unsere Gedichte können noch nicht veröffentlicht werden.
Sie gehen von Hand zu Hand als Manuskript
oder hektographiert. Doch eines Tages
wird der Name vergessen sein des Diktators,
gegen den sie geschrieben sind,
und dann wird man sie weiter lesen.

Niemand ist mir so nahe
wie du, die ich dich allerdings
seit ewigen Zeiten nur noch
in Träumen erblicke.

Der Regen klingt wie Musik
draußen in den Pfützen des Hofs
und die Laken sind frisch
aber du liegst nicht bei mir.