VipZ in Nicaragua(1)

Olivia, Blanca Lidia, Perla

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1. Der Verein zur Erforschung und Förderung von Volksbildung und internationaler pädagogischer Zusammenarbeit e.V. (VipZ) hat vor gut einem Jahr die Zusammenarbeit mit Olivia Alvarez Alvarado, Blanca Lidia Rivera Mendoza und Perla Rubi Leiva Lopez beendet. Dies nach rund drei Jahrzehnten.
Diese Zeit ist für uns eine tief beeindruckende Erfahrung von Zusammenarbeit, der Mitwirkung an einer kraftvollen Anstrengung, Lehrerinnen und Lehrer in Matagalpa und Umgebung bei ihrer unschätzbar wichtigen Aufgabe zu unterstützen: Dies dabei, dass sich viele von engagierten „Empiricos“ zu Lehrerinnen und Lehrern mit Berufsabschluss qualifizieren und ein starkes Selbstverständnis als Lehrerinnen und Lehrer entwickeln konnten; dabei, dass sie sich immer neu für ihre Arbeit pädagogisch und didaktisch herausfordern ließen, dass sie sich arbeitsrechtlich informieren, gewerkschaftlich organisieren, mutig in ihrer Arbeit ausharren und sich auch bildungspolitisch zu Wort melden konnten.
Olivia, Blanca Lidia, Perla und die Lehrerinnen und Lehrer in Matagalpa haben in diesem gewerkschaftlich orientierten Lehrerbildungsprojekt darauf bestanden, ihre Arbeit selbst zu bestimmen und zu gestalten. Und sie haben uns einbezogen. So sind immer wieder sehr interessante pädagogische und politische Debatten entstanden, bei denen wohl beide Seiten, auf jeden Fall aber wir hier, sehr viel gelernt haben. Wir sind sehr dankbar für diese Erfahrungen der drei Jahrzehnte. Und wir freuen uns, eine so sehr erfreuliche Bilanz ziehen zu können.
Aber warum geht es jetzt zu Ende? Oliva wird im nächsten April 90. Blanca Lidia und Perla, die vor allem als Dozentinnen mitgearbeitet haben sind Mitte 70. Bei den drei Freundinnen in Matagalpa spielen gesundheitliche und Altersgründe sowie veränderte familiäre Verpflichtungen eine große Rolle. Wir wünschen dabei alles Gute! Auch wollen Blanca Lidia und Perla vielleicht nicht weitermachen ohne Olivia? Eine Nachfolgeregelung mit Jüngeren, für die wir lange sehr geworben haben, ist leider nicht zustande gekommen. – Ein weiterer wichtiger Hintergrund ist wohl auch, dass sich in den zurückliegenden 30 Jahren im Bildungswesen in Nicaragua einiges verändert hat, z.B. arbeitet das Lehrerseminar José Marti, bei dem wir ursprünglich Ende der 80er allerdringlichste Bauarbeiten unterstützt haben, seit Jahren in einem ordentlichen Gebäude, der Staat nimmt die Lehrerausbildung ernst, aus „Empiricos“ sind ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer geworden u.a.
Ein weiterer Grund, froh und dankbar zu sein, ist für uns die langjährige Zusammenarbeit mit vielen Interessierten und Engagierten hier. Die überzeugende Arbeit von Olivia und den Aktiven in Matagalpa, über die wir regelmäßig berichten konnten, hat hier sehr viele und immer wieder neue Unterstützerinnen und Unterstützer interessiert und zum Einsteigen motiviert. Und dies über 30 Jahre. Manche haben Olivia in Matagalpa immer wieder besucht, andere haben Olivia und Blanca Lidia bei ihren Reisen 1990 und 1998 durch ca. 20 deutsche Städte persönlich kennengelernt und sind lange, oft bis heute – interessiert, kritisch, hilfreich – dabeigeblieben. Sie haben Veranstaltungen organisiert, Informationsblätter verfasst, sind auf Kirchentagen aufgetreten, haben Geld gesammelt, Zeitungsartikel verfasst, eine kleine Zeitschrift herausgebracht, im letzten Jahr im 18. Jahrgang die Nummer 22 – viele hatten Feuer gefangen. Sie alle waren das Rückgrat der ganzen Sache. Für uns eine ganz besondere Erfahrung! Wir sind immer davon ausgegangen, dass Bildungszusammenarbeit Kontinuität und Langfristigkeit braucht. Dass dies in diesem Projekt so beeindruckend möglich war, dafür sind wir äußerst dankbar, es ist uns eine Freude. Nach den vielen Jahren ist für uns natürlich bewegend, wie viele in den 30 Jahren als Aktive ihre Energie, als Lehrer oder Bildungsarbeiterinnen ihr Fachwissen, wie viele ihre Zeit und ihr Herzblut eingesetzt, ihren Ärger, ihren Mut, ihre politische Erfahrung beigesteuert haben. Was will man mehr?
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